Leseproben aus Abenteuer Erde und Feuer
 
Abenteuer Erde und Feuer

Erlebnisbrände

Wer Keramik in einer Grube oder in einem primitiven Öfen brennen will, beabsichtigt zumeist weder Produktion noch Kunst, sondern nur ein Erlebnis, an dem auch andere teilhaben sollen. Wenn die Absicht auch bescheiden ist, brau­chen die Ergebnisse nicht unansehnlich zu sein.
Keine Technologie ist zu primitiv, als dass sie nicht für die Kunst taugte. Man muss sich nur ihre Möglichkeiten zu eigen machen. Erlebnis und Ergebnis lassen sich optimieren.

Es ist oft nur die Anziehungskraft der Na­tur, die uns das Brennen in einer Vorrich­tung, die wir uns selbst geschaffen haben,  zum  Erlebnis werden lässt. Wenn man den Dingen ihren Lauf lässt, setzt man sich dem Zufall aus. Man spielt mit dem Feuer, freut sich, wenn es was geworden ist, und damit hat sich's.  Als technikverwöhnte Stadt­menschen sehen wir solche Brände oft nur oberflächlich in einer Ecke von Spiel und Spass. In Wirklichkeit gehört zu diesem Arbeiten mehr an Erfahrung, Überlegung und Einsatz als beim Elektroofen, der es von ganz alleine macht.  Wer sich gründlicher mit den Methoden, die keine technischen Hilfsmittel erfordern, beschäftigt, wird mit der Zeit immer besser in der Lage sein, gestalterisch genau vorausgeplante Ergebnisse zu erzielen.  Manches Grundsätzliche ist zu bedenken.

Der Schutz vor dem einseitigen Erhitzen Das wichtigste, worauf man bei der Brennanlage achten muss, ist der Schutz des Brenngutes vor einseitigem Erhitzen.  Man kann nicht einfach unter einem Topf Feuer machen oder ihn ins Feuer stellen.  Es ist nicht so sehr die schnelle Erhitzung, die ihn gefährdet, sondern die schnelle einseitige Erhitzung. Die Keramik verträgt es nicht, auf der einen Seite heiss zu werden und sich auszudehnen, während die andere Seite noch kalt ist und sich nicht aus­dehnt. Je schneller die Wärme auch auf diese kalte Seite dringt, desto besser sind die Voraussetzungen, die auch von dem Ton zu erfüllen sind.  Eisen leitet die Wärme auch als Eisenoxid; ein eisenhaltiger Ton ist weniger gefährdet als ein weisser Ton. Man sollte deshalb rotbrennende Tone vorziehen, vor allem wenn die Keramik roh eingesetzt wird.

Auch das einseitige Abkühlen kann die Keramik zerstören.  Da besonders die Ränder von Gefässen gefährdet sind, setzt man sie kopfüber ein. Auch abstehende Teile sind beim Abkühlen gefährdeter als runde, integrierte.

Der Schutz vor der Sprengwirkung des Wasserdampfes

Das Wichtigste, worauf man bei der zu brennenden Keramik achten muss, ist, dass sie trocken ist. Da Brenngut und Brennstoff sich berühren, kann man die Erhitzungsgeschwindigkeit nicht steuern. Das Wasser im Ton gehört zu den wichtigsten Ursachen für die Zerstörung des Brenngutes beim Erhitzen. Die Kraft des Wasserdampfes, der sich ausdehnt, ist enorm. Dagegen ist die eingeschlossene Luft seltener für Schäden verantwortlich, denn sie kann leichter durch die Poren abziehen, solange die Oberfläche der Keramik noch nicht dicht ist. Auch der sich bildende restliche Wasserdampf kann durch die Poren entweichen, wenn sie nicht zu klein sind.  Deshalb ist eine Keramik, die mit einer groben Schamotte oder scharfem Sand versetzt ist, günstiger, denn diese Zuschlagstoffe verursachen grosse Poren und halten sie lange offen.  Also: der Ton sollte möglichst rotbrennend und schamottiert oder sandgemagert sein. An Stelle der Schamotte leistet nämlich ein grober Sand die sehen Dienste. Vor allem,  wenn man den Ton selbst gegraben hat, möchte man alles natürlich halten.

Der Schutz vor dem Verlust der Wärme

Der dritte wichtige Gesichtspunkt ist die Wärmedämmung.  Das gilt auch für die Isolierung nach unten.  Ein primitiver Ofen ist nicht nur deshalb primitiv, weil er nicht wärmetechnisch berechnet ist, sondern auch, weil er mit einfachen Mitteln errichtet wurde, von denen man wissen sollte, welche gut und welche schlecht isolieren.  Ein sehr guter Isolator ist Asche, ein sehr schlechter sind feuchte Rasensoden. Man merkt das Prinzip: In der Asche ist viel ru­hende Luft eingeschlossen, im Rasensoden viel Wasser.  Man vermeide also Feuchtigkeit. Das gilt auch für den Standort. Er muss gegen Bodenfeuchte geschützt sein, notfalls durch eine Pflasterung aus Steinen, die mit Lehm verschmiert und mit einer Aschenschicht bedeckt werden.  Und was die Luft als Isolator angeht, kann man sich zum Beispiel nehmen, dass ganz alte Ofen aus ineinandergestellten Töpfen errichtet wurden, in denen die Luft nicht in Bewegung war.  Ruhende Luft ist ein ausgezeichneter Isolator.  Auch im Lehm, der mit Stroh gemagert ist, ist Luft eingeschlossen.

Einfache Öfen

Ein Ofen besitzt einen Feuerraum und einen Brennraum. Und wenn er die Feuergase von der Feuerung durch den Brennraum saugen soll, muss er auch ei­nen Schornstein besitzen. Das ist bei liegenden Öfen der Fall.  Bei einem stehenden Ofen oder einem mit einem Gefälle von mindestens 30 Grad genügt der Auftrieb der Heissluft, und man braucht keinen Schornstein.

Ein einfacher Ofen kann nach dem Muster des dänischen Hasseris-Ofens aus dem 5. Jahrhundert gebaut werden.  Er ist in den Erdboden mit einer Stufe eingelassen, wobei die Keramik auf der oberen Stufe steht; davor befindet sich die Feuergrube, in die man das Brennmaterial einwirft. Der Ofen hat ein Gewölbe mit einer Raucha­bzugsöffnung, das aus Weidenruten gebogen, dann mit alten Tüchern oder Jutesäcken belegt und mit einer dicken Schicht aus Lehm mit eingeknetem Stroh abgedeckt wird. Zwischen das Brenngut kann an noch grobes Sägemehl streuen, um schwarze Feuerspuren zu erhalten.

Sich einfache Öfen auszudenken macht Spass und bringt wichtige Erkenntnisse für den Ofenbau und den Umgang mit dem Feuer. In solchen Öfen kann man auch mit Soda ­Anflug arbeiten. Gerhild Tschachler-Nagy hat diese Methode ausgearbeitet und auch erfindungsreiche Ofenkonstruktionen aus Lehm entwickelt. Ihre Arbeiten, die sie in diesen Öfen brennt, sind künstlerisch sehr anspruchsvoll.
 

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